Samstag

und ich kann endlich wieder weinen, endlich endlich endlich wieder, ich weine, und es ist ein gefühl als ob man zerreißt, ich hab es so vermisst, ich kann fühlen, dass ich lebe, dass ich hier
bin. sein.
ich hab keinen grund, aber es zählt nicht. bald kommt der winter, da zählt nichts mehr, weil jeder versteckt ist. weil wir alle wir sind.

Dienstag

"Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben"
"Zerstörung ist ein Geschenk"
"Ich wünschte, jeder könnte diesen einen Menschen finden, der alles andere wettmacht"

Ich weine, weine, weine, weine. Spüre, wie ich von hoch oben tief falle. Obwohl ich weiß, dass ich nicht so hoch gewesen sein kann, weil ich das schon lange nicht mehr war. Doch der Meter kommt mir vor wie 100. Und es tut weh, weh, weh. Und ich würde so gerne weinen, ich würde so gerne von einer Traurigkeit überfallen werden, die man mit Schokolade vergessen kann, vielleicht auch, mit der ein oder anderen Zigarette. Und ich spüre, dass ich etwas ändern muss, weil ich mich selbst hasse. Ich spüre, dass ich mir helfen muss, oder die Situtation akzeptieren und so zu werden, dass ich mit meinem Leben leben kann, auch wenn es kein schönes ist. Ich habe kein Leben, das man beneidet. Dabei wären manche sogar froh über das Leben, das ich führe, die Welt, die mir gehört. Doch je mehr man hat, desto mehr will man. Und es fällt auf, wie viel man doch nicht hat.
Wie hat sich "weinen" noch mal angefühlt? Wie war das noch mal?

Mittwoch

c'est la belle qui nouse rate
es ist das schöne, was uns missglückt.
Bei diesem Satz muss ich immer an dich denken, und es macht mich traurig.
Weil es schön wäre, bei dir zu sein. Weil es schön wäre, wenn du hier wärst. Weil es schön wäre, wenn wir uns küssen würden und in die Arme nehmen könnten. Aber es missglückt uns, es ist nicht für uns bestimmt, weil das Schicksal es vielleicht nicht so will oder auch aus einem anderen Grund. Welcher auch immer es ist, es gibt ihn und er verhindert das alles, auch wenn wir es beide zu gerne wollten.
Wir sind rausgefahren, auf's Feld, die warmen Abende genießen. Das ist eine Liebe, das ist ein Leben. Wir sitzen da, zwischen uns ein illegales kleines Feuer, das die Stimmung heben soll. Außerdem werden wir die Wärme gebrauchen, wenn es Nacht wird. Denn wahrscheinlich wären wir zu müde oder zu betrunken, um uns auf die Räder zu setzen, oder eben eine Mischung aus beidem. Wir sehen uns in die Augen, immer diese alberne Koketterie, und es ist, als könnte ich meterweit in ihn hineinblicken, in seine dunklen, dunklen Augen, die wegen des Feuers angefangen haben zu glitzern, als würden sie selbst glühen. Schon oft habe ich mich gefragt, was denn der eigentliche Sinn des Lebens ist, und jedes Mal warst du die Antwort, die Liebe gibt mir den Grund. Ich würde es gerne aussprechen, denn ich weiß, dass es ihn glücklich machen würde. Aber ich weiß auch, dass ich mich so unendlich blöd fühlen würde, wie so oft in seiner Gegenwart, so plump, so ungeschickt und so wenig attraktiv. Ich nehme einen tiefen Schluck aus der Weinflasche, wir reden ein bisschen, so über dies und das, und je mehr ich trinke, umso leichter fühle ich mich, ich fühle mich schlank und schön, ich fühle mich wunderbar und spreche jeden Gedanken aus, der mir in den Sinn kommt, und er lacht, du lachst, du lächelst, du freust dich, jemanden zu haben wie mich. Ich würde mich auch freuen. Irgendwann gehen wir dazu über, uns zu küssen, es ist jedes mal fremd, jedes mal anders, jedes mal auf eine andere Weise schön und manchmal auch nicht. In den ersten Momenten sind deine Lippen noch kalt, ich schmecke das Ketchup, in das du vorhin deine Würstchen gedippt hast. Deine Lippen werden immer wärmer und dein Atem geht immer, immer schneller. Ich weiß, wie sehr du mich willst, ich weiß, wie anziehend du mich findest. Es fühlt sich an, als würden wir verschmelzen, duch unsere Küsse und die Berührungen, du hälst mich fest, als würdest du mich nie gehen lassen, deine Hände liegen auf der Stelle über meinem Hintern. Deine Finger suchen sich ihren Weg unter die vielen Schichten, die ich heute Abend angezogen habe. Ich bin abhängig von dir, ich komme immer wieder zu dir zurück. Zum Glück weißt du das nicht, denn es würde dir unser Spiel um so vieles einfacher machen. Unsere Liebe ist ein Spiel. Unsere Lippen küssen Hälse, Schlüsselbeine, Brüste, Schultern, Arme, Hände, Gesichter, Nacken, Ohren und wieder Hälse des anderen und ich liebe diese Macht, die ich über dich habe, denn du kannst dich nicht stoppen, du bist wie ein Tier, aber wie ein weiches, zärtliches Tier. Ab und zu nehmen wir wieder einen Schluck aus der Flasche, bloß nicht nüchtern werden. Du breitest deine Jacke aus damit ich mich darauf legen kann, in deinen Armen, in dir versteckt und von dir beschützt. Ich habe mich dir noch nie so nah gefühlt, du passt auf mich auf, ich weiß das. Für diesen Moment bist du mein Leben, glaub mir. Mein Gesicht ist kalt und meine Lunge tut weh von der nachtkalten Luft, aber mitlerweile hat die Morgensonne, die gerade aufgeht, die Erde so gut gewärmt, dass ich mir meine dickste Jacke ausziehen kann, nachdem ich mich aus seinen Armen befreit habe, die mich gefangen gehalten haben, wie ein goldener Käfig. Ich bin schon wach, und er schläft noch, bewegt manchmal seine Lippen, und ab und zu sehe ich seine Nasenflügel beben. Irgendwann fange ich an mich zu langweilen, ziehe mich bis auf's T-Shirt aus und frag mich, wie er es aushält, in den dicken Sachen. Manchmal fühle ich mich dir so nah, und ihm manchmal so fremd.

Dienstag

R.

an solchen abenden muss ich immer an dich denken, und am meisten daran dass du nicht hier bist, aber wie gerne ich dich hier hätte und wie alles mit dir jetzt wäre.
ich weiss was du sagen würdest, zu den dingen die passieren, die art wie du redest ist einzigartig, genau wie du. ich bin mir sicher, dass ich mir nicht nur einbilde, dass niemand ist wie du.
und dass ich dich vermisse würde ich dir gerne schreiben, doch nach den ersten 20 zeichen lösche ich sie alle wieder, weil ich nicht den anschein erwecken möchte, zu diesen mädchen zu gehören, wie die man nicht sein möchte und sich selber dafür hasst, wenn man sich dabei ertappt, dass man genau ihre gewohnheiten übernimmt.
vielleicht liebe ich dich ja, ich bin mir sicher dich manchmal zu lieben.
liebe ist schmerz, und davon empfinde ich so viel wegen dir.
wer sagt denn, liebe sei etwas schönes?

Montag

alle sind so weit weg

denn ich kann nicht genug sein. niemals so vollkommen? wie könnt ihr das? ich packs nicht, ich habe wieder versagt.

you failed, bby.

wie jedes mal, beim versuch, kein opfer zu sein. bis jetzt bin ich immer gescheitert.

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23.9.2010
diese ganze unzufriedenheit droht, mich aufzufressen. aggressionen, panikattacken, depressionen. ich weiß nicht, wohin mit mir. was ich tun soll. ich bin leer, lebe für nichts, für niemanden. es macht alles hier keinen sinn. alles was ich tue oder auch nicht tue, bringt konzequenzen. ich bin im knock-out. nichts ist mehr gut, nicht mal ich selbst. die gleichgültigkeit allem gegenüber, die ja eigentlich keine ist. gibt es einen sinn, in dem was wir tun? wenn ja, welchen? wer garantiert für das alles? nicht, dass ich ein durchgeplantes leben will... ich will nur den sinn in etwas finden. geboren werden, schule, arbeiten, heiraten, kinder, autos, häuser, geld, kleidung, medien.
egal was ich tue, ich werde eingefangen. ich will raus hier, aber nicht weg. ist vielleicht gut so, vielleicht soll es ja so sein, aber ich kann nicht mehr, ich konnte sowieso nie etwas. hier ist keine revulotion, keine veränderung, immer das selbe. wir sind wie tiere, wir sind alle gleich. wir stinken alle nach dreck, wir leben im dreck, wir menschen sind der dreck. wozu wir existieren weiß niemand, nicht einmal der mensch selbst. um zu leiden? für diesen einen kreislauf? sonst hat doch auch alles im leben immer einen sinn und grund. ist es vielleicht das, dass das alles einen sinn hat außer das leben selbst? hier ist kein ausweg, hier ist nichts. niemand, der mit mir teilt. alle sind mit sich selbst beschäftigt. ist auch gut so, es muss so sein.

die zeit

das hier ist unsere zeit. gemeinsam hatten wir nie eine bessere, und für mich gibt es keine andere, es ist die schönste bisher. wir sollten sie genießen, die dinge ändern sich so unglaublich schnell.
ich hoffe jedoch, dass du nie eine erinnerung sein wirst, sondern immer die gegenwart.
gefühle sind so schwer in worte zu fassen, meine für dich fühlen sich an wie die ganze welt in mir, du bist die welt, du bist alles schlechthin.
ich könnte seiten über meine gefühle schreiben und stunden über sie reden.
das ergebnis wird immer das selbe sein: Du bist der inhalt des lebens und in meinem kopf, in mir. dich zu verlieren wäre der untergang, der untergang von mir selbst. du weißt, wie viel ich ertrage, bitte, ich könnte es nicht aushalten. pass auf dich auf.
weißt du, für jede person gibt es eine andere, mehrere andere, zwei menschen, die sich treu geblieben sind, nicht körperlich, sondern im kopf. ihr leben lang treu.
was du für mich bist, kann und will ich nicht sagen. es ändert sich von sekunde zu sekunde. du kannst der obligatorische "beste freund" sein, manchmal bist du der perfekte sex, über das ziel hinaus, über jede erwartung. du bist meine einzige liebe. immer. jederzeit. jede sekunde, jede minute, jeden tag in meinem leben bist du genau das:
mein leben.
ich denke, am schluss des briefes wäre es übertrieben, noch einmal zu erwähnen, dass ich dich liebe.
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werke (tagebuch)

11.3.2010
Angst zu haben, ist eins der schlimmsten Dinge überhaupt. In manchen Momenten definiert sie mein Leben.

2.3.2010
Wir kennen uns nicht, haben uns nie gekannt, wir sind uns gleichgültig, wir tun so, als wären wir uns das immer gewesen. Wir versuchen, uns weiß zu machen, dass man alle Erinnerungen auslöschen kann und wieder von vorne anfangen kann. Doch das geht nicht, wir tragen die Liebe füreinander in uns. Das wird immer so bleiben. Wir werden füreinander immer etwas besonderes bleiben. Das hoffe ich.
Wie verliebt wir ineinander waren, damals. Und wie jung. Ich bin immer jung und ich werde es noch eine ganze Weile bleiben. Du wirst jedoch erwachsen. Du bist der ältere von uns, und ich immer das Kind. Das ist eine Tatsache, abgesehen mal vom Alter, die sich nie, niemals ändern wird.
Jedoch habe ich immer mit dir gespielt, ich hatte immer die Macht über dich, denn du hast sie mir gegeben: Du warst schon immer fasziniert von mir, ich habe dich immer, immer wieder überrascht. Dabei habe ich es noch nicht einmal darauf angelegt.

Samstag

wäre ich gerade in der stimmung zu schreiben, würde ich einen roman schreiben, darüber, wieso die welt so schnell ist und rücksichtslos, und was denn der sinn des lebens wäre.

MAYBE MAYBE

"Die Glückslosen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Glücklichen, Mister Fisher. Durch ihr Unglück zeigen sie mir nur mein Glück. Es ist nur bedauerlich, dass die Glücklichen erst bemerken, welches Glück sie hatten, wenn es sie verlässt. Sie zum Beispiel: Gestern sind sie besser drangewesen als heute, aber erst durch den heutigen Tag merken Sie das. Aber: Gester ist vorbei. Und: Es ist zu spät. Verstehen Sie? Die Leute sind nie glücklich, mit dem, was sie haben. Sie wollen das, was sie mal hatten, oder was jemand anders hat."