Mittwoch

Wir sind rausgefahren, auf's Feld, die warmen Abende genießen. Das ist eine Liebe, das ist ein Leben. Wir sitzen da, zwischen uns ein illegales kleines Feuer, das die Stimmung heben soll. Außerdem werden wir die Wärme gebrauchen, wenn es Nacht wird. Denn wahrscheinlich wären wir zu müde oder zu betrunken, um uns auf die Räder zu setzen, oder eben eine Mischung aus beidem. Wir sehen uns in die Augen, immer diese alberne Koketterie, und es ist, als könnte ich meterweit in ihn hineinblicken, in seine dunklen, dunklen Augen, die wegen des Feuers angefangen haben zu glitzern, als würden sie selbst glühen. Schon oft habe ich mich gefragt, was denn der eigentliche Sinn des Lebens ist, und jedes Mal warst du die Antwort, die Liebe gibt mir den Grund. Ich würde es gerne aussprechen, denn ich weiß, dass es ihn glücklich machen würde. Aber ich weiß auch, dass ich mich so unendlich blöd fühlen würde, wie so oft in seiner Gegenwart, so plump, so ungeschickt und so wenig attraktiv. Ich nehme einen tiefen Schluck aus der Weinflasche, wir reden ein bisschen, so über dies und das, und je mehr ich trinke, umso leichter fühle ich mich, ich fühle mich schlank und schön, ich fühle mich wunderbar und spreche jeden Gedanken aus, der mir in den Sinn kommt, und er lacht, du lachst, du lächelst, du freust dich, jemanden zu haben wie mich. Ich würde mich auch freuen. Irgendwann gehen wir dazu über, uns zu küssen, es ist jedes mal fremd, jedes mal anders, jedes mal auf eine andere Weise schön und manchmal auch nicht. In den ersten Momenten sind deine Lippen noch kalt, ich schmecke das Ketchup, in das du vorhin deine Würstchen gedippt hast. Deine Lippen werden immer wärmer und dein Atem geht immer, immer schneller. Ich weiß, wie sehr du mich willst, ich weiß, wie anziehend du mich findest. Es fühlt sich an, als würden wir verschmelzen, duch unsere Küsse und die Berührungen, du hälst mich fest, als würdest du mich nie gehen lassen, deine Hände liegen auf der Stelle über meinem Hintern. Deine Finger suchen sich ihren Weg unter die vielen Schichten, die ich heute Abend angezogen habe. Ich bin abhängig von dir, ich komme immer wieder zu dir zurück. Zum Glück weißt du das nicht, denn es würde dir unser Spiel um so vieles einfacher machen. Unsere Liebe ist ein Spiel. Unsere Lippen küssen Hälse, Schlüsselbeine, Brüste, Schultern, Arme, Hände, Gesichter, Nacken, Ohren und wieder Hälse des anderen und ich liebe diese Macht, die ich über dich habe, denn du kannst dich nicht stoppen, du bist wie ein Tier, aber wie ein weiches, zärtliches Tier. Ab und zu nehmen wir wieder einen Schluck aus der Flasche, bloß nicht nüchtern werden. Du breitest deine Jacke aus damit ich mich darauf legen kann, in deinen Armen, in dir versteckt und von dir beschützt. Ich habe mich dir noch nie so nah gefühlt, du passt auf mich auf, ich weiß das. Für diesen Moment bist du mein Leben, glaub mir. Mein Gesicht ist kalt und meine Lunge tut weh von der nachtkalten Luft, aber mitlerweile hat die Morgensonne, die gerade aufgeht, die Erde so gut gewärmt, dass ich mir meine dickste Jacke ausziehen kann, nachdem ich mich aus seinen Armen befreit habe, die mich gefangen gehalten haben, wie ein goldener Käfig. Ich bin schon wach, und er schläft noch, bewegt manchmal seine Lippen, und ab und zu sehe ich seine Nasenflügel beben. Irgendwann fange ich an mich zu langweilen, ziehe mich bis auf's T-Shirt aus und frag mich, wie er es aushält, in den dicken Sachen. Manchmal fühle ich mich dir so nah, und ihm manchmal so fremd.